Vorwort
Diese Notizen sind einzig und allein meiner Vorliebe zu einer halborganischen Flüssigkeit zu verdanken – einer faszinierenden Mischung, die meine Sichtweise der Welt von Grund auf veränderte. Es ist mir etwas peinlich, diese meine Schwäche zuzugeben, doch andererseits glaube ich, daß es nicht zuletzt unsere Schwächen sind, die uns sympathischer machen. Also riskiere ich es.
Flüssigkeiten haben es in sich. Viele Werke der Zivilisation wären ohne sie einfach nicht entstanden. Jedoch weiß man nie im voraus, welcher davon man verfallen wird. Natürlich kam ich früh genug mit Flüssigem in Berührung. Doch vom Gehalt konnte dabei lange keine Rede sein. Die Flüssigkeiten, die ich zu Beginn meines Lebens kannte, waren einfach nur... wässrig. Bei dieser speziellen Mischung jedoch... Da werde ich einfach schwach. Die Wirkung dieser Wundertropfen auf mich war und bleibt einzigartig. Ach, was schreibe ich da?! Jedes Wort wäre dafür viel zu trocken! Rausch! Das war es, was ich dabei erlebte. Aber darauf komme ich noch früh genug zurück.
Wie gesagt, manche Flüssigkeiten sind tückisch. Ist man einmal in ihren Bann geraten, kann man ihnen kaum mehr entkommen. Wozu auch? Natürlich kann man jederzeit aufhören, das weiß schließlich jeder! Doch was dann? Warten, bis die Geschichte wieder vom neuen beginnt? Wäre es nicht vernünftiger, ein bekanntes Laster zu kennen, zu pflegen und es... nun, ja... zu vermarkten?
Ich bin meiner Sucht – und das gebe ich unumwunden zu – bereits vor so langer Zeit verfallen, daß ganze Kulturschichten seitdem entstanden sind. Demzufolge sind mir sowohl die Pflege als auch Umgang damit bestens vertraut. Worum es mir jetzt geht, ist die Vermarktung. Für diesen besonderen Fall habe ich mir ein Pseudonym ausgedacht. Nicht, daß ich mich davor zurückschreckte, meinen Namen unter gewisse Äußerungen zu setzen. Das nicht. Die Schwierigkeit liegt darin, daß ich eigentlich gar keinen Nachnamen habe. Selbst meinen Vornamen – Globi – erhielt ich erst, als ich bereits seit längerer Zeit auf Wanderzügen durch Europa unterwegs war. Doch davon später mehr.
Wie dem auch sei. Ich finde den Namen »Scribonius« sehr ansprechend. Und so hoffe ich inständig, daß eines Tages das eine oder andere Auge* eines Lesers wohlwollend über nachfolgende Zeilen streifen wird, die zusammenzustellen ich mir alle Mühe machte.
Ihr ergebener
Globi Scribonius
