Macht bedeutet jede Chance, innerhalb einer sozialen Beziehung den eigenen Willen auch gegen Widerstreben durchzusetzen, gleichviel, worauf diese Chance beruht. - Max Weber

Kaba Tinte

Das Pseudonym „Kaba Tinte“ ist aus dem Spitznamen „Kaba“ (mit Betonung auf dem zweiten „a“) entstanden, den ich noch als Kind von meinem Onkel Boris erhielt. Den Impuls zum zweiten Teil gab mir meine Tochter. Sie interpretierte meinen russischen Geburtsnamen „Черных“ („Černyh“), der vom Wortstamm her übersetzt in etwa „Schwarz“ bedeutet, als „Schwärze“ oder „Tinte“. Dieser Künstlername, angeregt von zwei geliebten Menschen, steht für einen Bereich meines Lebens, den ich lange Zeit für meinen rein privaten Luxus hielt.

Kaba Tinte

Mein Schreiben war für mich eine Tätigkeit, die seit Jahren ein Schattendasein neben anderen – wichtigeren – Aufgaben fristete. Diese änderten sich allerdings im Laufe meines Lebens.

Seit meinem fünfzehnten Lebensjahr interessiere ich mich für Fragen der sozialen Ordnung und der vielfältigen Widersprüche, die Gesellschaften ab einer gewissen Stufe ihrer Entwicklung mit Machtstrukturen – besser bekannt als Staatsordnungen – ausfechten.

In meiner Jugend schmiedete ich viele Pläne. Ich stellte mir vor, daß ich zuerst mit soziologischer Forschung viel Geld verdienen werde. Mit diesem Geld hatte ich später vor, ein Unternehmen aufzubauen, in dem ich mein Talent für die Arbeitsorganisation einsetzen würde. Auf meine alten Tage – reich und weise geworden – wollte ich mich schließlich dem Verfassen fantastischer Geschichten widmen.

Dieser Plan, dessen Schwächen mir inzwischen bewußt sind, ließ ein wichtiges Detail außer acht: die Tatsache, daß ich eine Frau bin. Der Lebenszyklus einer Frau beinhaltet eine Fortpflanzungsphase, die, einmal realisiert, alle anderen Pläne über Bord werfen oder zumindest verschieben läßt. So kam es, daß seit Geburt meiner Tochter sich mein Talent für die Arbeitsorganisation viele Jahre lang überwiegend in der sehr lokalen Umgebung meiner Familie entfaltete.

Nun sieht es so aus, als würde ich meine Jugendpläne doch noch verwirklichen, wenn auch in etwas anderer Art und Weise.

Obwohl ich von meiner Ausbildung her einen technischen Hintergrund (Informatik-Studium) habe, gilt mein Interesse nach wie vor Themen der gesellschaftlichen Entwicklung, in denen ich mich autodidaktisch permanent weiterbilde. In diesem Zusammenhang reizt mich die Vorstellung, mittels Analyse gesellschaftlicher Strömungen die Richtung weiterer Entwicklung voraussagen zu können.

Nach allem, was sich bisher aus meiner Beobachtung der Gesellschaft ergab, denke ich, daß die nächste Stufe der wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Entwicklung von kleinen, mobilen, gut vernetzten Einheiten dominiert werden wird. Sie sind mit Warmblütern zu vergleichen, die in der evolutionären Entwicklung die Dinosaurier abgelöst hatten. Diese letzteren haben wiederum ihre gesellschaftliche Entsprechung in der heutigen Herrschaft der Großkonzerne und der Nationalstaaten als deren Anhängsel. Sie werden nach und nach an Bedeutung einbüßen. Diese Entwicklung will ich mit einem Projekt beeinflussen, deren Realisierung ich mit meinem neuen Buch anregen will.

Seit der Veröffentlichung meines ersten Buches, eines Fantasy-Romans, hat sich eingebürgert, daß meine Texte zu „realen“ Themen, unter meinem bürgerlichen Namen erscheinen, während „Kaba Tinte“ Phantasie-Geschichten vorbehalten bleibt. Das neueste Buch trägt daher meinen echten Namen, aber ich bin zuversichtlich, daß es wieder eine Zeit kommen wird, in der ich mich als Kaba Tinte fantastischen Geschichten widmen werde.

Links

Franz Oppenheimer: Der Staat
Weitere ausgewählte Schriften von und über Franz Oppenheimer
DadAWeb - die Datenbank des deutschsprachigen Anarchismus
Chaos Computer Club

Ein paar Zitate

Die Menschen strömen vom Orte des höheren sozialen und wirtschaftlichen Druckes zum Orte des geringeren sozialen und wirtschaftlichen Druckes auf der Linie des geringsten Widerstandes. - Franz Oppenheimer
Die Weltgeschichte ist nur die Beschreibung der Kämpfe der Einzelnen, um die Menge zu besteuern, und der Kämpfe dieser Menge, der Besteuerung zu entgehen. - Henry Charles Carey
Die Gesetze sind gleichsam Festungen,von den Reichen in Feindesland erbaut, wo nur ihnen Gefahren drohen. - Simon Nicolas Henri Linguet
Leben heißt Anpassung äußerer und innerer Relationen aneinander. - Franz Oppenheimer
Der soziale Prozess ist eine unaufhörliche Entwicklung von Personen durch Institutionen, die vollkommenere Personen entwickelt, die wieder vollkommenere Institutionen entwickeln, und so fort ohne erkennbare Grenze. - Albion W. Small