Kaba Tinte
Das Pseudonym „Kaba Tinte“ ist aus dem Spitznamen „Kaba“ (mit Betonung auf dem zweiten „a“) entstanden, den ich noch als Kind von meinem Onkel Boris erhielt. Den Impuls für den zweiten Teil gab mir meine Tochter. Sie interpretierte meinen russischen Geburtsnamen „Черных“ („Černyh“), der vom Wortstamm her übersetzt in etwa „Schwarz“ bedeutet, als „Schwärze“ oder „Tinte“. Dieser Künstlername, angeregt von zwei geliebten Menschen, steht für einen Bereich meines Lebens, den ich lange Zeit für meinen rein privaten Luxus hielt.
Mein Schreiben war für mich eine Tätigkeit, die seit Jahren ein Schattendasein neben anderen – wichtigeren – Aufgaben fristete. Diese änderten sich allerdings im Laufe meines Lebens.
Seit meinem fünfzehnten Lebensjahr interessiere ich mich für Fragen der sozialen Ordnung und der vielfältigen Widersprüche, die Gesellschaften ab einer gewissen Stufe ihrer Entwicklung mit Machtstrukturen – besser bekannt als Staatsordnungen – ausfechten.
In meiner Jugend schmiedete ich viele Pläne. Ich stellte mir vor, daß ich zuerst mit soziologischer Forschung viel Geld verdienen werde. Mit diesem Geld hatte ich später vor, ein Unternehmen aufzubauen, in dem ich mein Talent für die Arbeitsorganisation einsetzen würde. Auf meine alten Tage – reich und weise geworden – wollte ich mich schließlich dem Verfassen fantastischer Geschichten widmen.
Dieser Plan, dessen Schwächen mir inzwischen bewußt sind, ließ ein wichtiges Detail außer acht: die Tatsache, daß ich eine Frau bin. Der Lebenszyklus einer Frau beinhaltet eine Fortpflanzungsphase, die, einmal realisiert, alle anderen Pläne über Bord werfen oder zumindest verschieben läßt. So kam es, daß in den letzten fünfzehn Jahren mein Talent für die Arbeitsorganisation sich überwiegend in der sehr lokalen Umgebung meiner Familie entfaltete. Ungeachtet dessen muß ich bis heute die Frage „Arbeitest du eigentlich?“ mit einem „Nein“ beantworten.
Nun sieht es so aus, als würde ich meine Jugendpläne doch noch verwirklichen, wenn auch in umgekehrter Reihenfolge. Heute sehen sie folgendermaßen aus.
Nach allem, was sich bisher aus meiner Beobachtung der Gesellschaft ergab, denke ich, daß die nächste Stufe der wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Entwicklung von kleinen, mobilen, gut vernetzten Einheiten dominiert werden wird. Sie sind mit Warmblütern zu vergleichen, die in der evolutionären Entwicklung die Dinosaurier abgelöst hatten. Diese letzteren haben wiederum ihre gesellschaftliche Entsprechung in der heutigen Herrschaft der Großkonzerne und der Nationalstaaten als deren Anhängsel. Sie werden nach und nach an Bedeutung einbüßen.
Diese Entwicklung will ich mit einem Projekt beeinflussen, das sich auf die Arbeitsorganisation mit Hilfe des Internets konzentriert. (Man erinnere sich: kleine, mobile, gut vernetzte Einheiten). Dieses Projekt möchte ich zusammen mit meinem Mann Torsten realisieren, der als begnadeter Programmierer wie kein anderer dafür geeignet ist. Die Bilder auf dieser Site und in meinem Buch sind wohlgemerkt sein Werk, und die Site selbst sähe ohne seine Hilfe ganz anders aus.
Um die Arbeit an diesem gemeinsamen Projekt zu finanzieren, möchte ich Fantasy-Geschichten schreiben und verkaufen. Ich setze bei der Verbreitung vor allem auf das Internet und natürlich die gute alte Mund-zu-Mund-Propaganda.
Auf meine alten Tage – definitiv reicher geworden, wenn auch nur an Erfahrung – möchte ich schließlich die Erkenntnisse aufschreiben, die ich im Laufe all meiner Studien gewonnen habe.
Das sind die Pläne. Sicher sind auch sie voller Schwächen. Doch sie liegen mir sehr am Herzen. Ich setzte also auf meine Stärken und versuche, das Beste daraus zu machen.